Warum kreatives Schreiben manchmal Pause braucht
fertige, analoge Papier-Collage
Es gibt diese Tage, an denen Schreiben für mich einfach nicht funktioniert. Der Cursor blinkt, jeder Satz wirkt gezwungen. Und je intensiver ich es versuche, desto schlimmer wird es. Lange Zeit habe ich genau dann einfach weitergemacht. Mich hingesetzt, Druck aufgebaut, „durchgezogen“. Schließlich wollte ich schreiben. Denn das ist ja das Ziel.
Aber Ende 2025 habe ich etwas ausprobiert, das auf den ersten Blick nichts mit Schreiben zu tun hat: Ich habe angefangen, zu collagieren (Papier-Collagen zu erstellen). Und überraschenderweise war das genau das, was meine Kreativität gebraucht hat.
Beim Schreiben arbeite ich mit Sprache. Ich denke in Sätzen, in Strukturen, in Bedeutungen. Alles soll irgendwie Sinn ergeben, zusammenpassen, „funktionieren“. Beim Collagieren ist das ähnlich, nur mit völlig anderen Mitteln. Ich schneide Bilder aus, kombiniere Formen, lasse mich von Farben leiten. „Richtig“ oder „falsch“ haben hier ganz andere Dimensionen als beim Schreiben, oft ist es eher ein Ausprobieren, ein Zusammenfügen von Eindrücken. Am Ende klebt alles, letzte Korrekturen sind nicht mehr möglich – sogar völlig ausgeschlossen. Es ist, wie es ist – ein Segen! Keine endlosen Nachbesserungen mehr, sondern ein fertiges (natürlich nie perfektes) Endprodukt. Dieser oder jener Schnipsel hätte 5 mm höher gemusst, hier klafft eine winzige Lücke, dort ist trotz aller Vorsicht Kleber hingetropft, hier hat das Papier eine Falte gesworfen.
Aber genau darin liegt der Unterschied: Auch wenn ich kein Neurowissenschaftler bin, fühlt es sich ziemlich eindeutig an – beim Collagieren werden andere Bereiche in meinem Kopf aktiv. Zum Beispiel kann ich beim Schreiben nie Musik hören, weil mich das einschränkt. Aber wenn ich collagiere, höre ich dabei meterlange Spotify-Listen! Yay!
Das Überraschende ist: Gerade weil ich nicht schreibe, kommt das Schreiben zurück. Nach einer Weile merke ich, dass sich etwas verändert: Schreibideen tauchen wieder auf, denn diese kreativen Umwege laden meinen „Akku“ wieder auf. Kreativität verschwindet nicht, sie sucht sich nur einen anderen Weg. Und manchmal ist genau das notwendig. Für mich ist es das Collagieren – aber es kann genauso Zeichnen, Fotografieren, Musik machen oder einfach nur ziellos durch eine Buchhandlung laufen und Klappentexte lesen sein. Klappentexte funktionieren bei mir übrigens immer – denn weil sich meine Vorstellung in der Regel meilenweit von der des Autors unterscheidet, sind sie eine 1A-Inspirationsquelle.
Es geht für mich nicht darum, das Schreiben zu ersetzen, sondern darum, ihm Raum zu geben, wieder von selbst zurückzukommen. Wenn es gerade nicht klappt, bedeutet das für mich nicht, dass ich unproduktiv bin oder „es nicht (mehr) kann“. Vielleicht bedeutet es einfach, dass meine Kreativität gerade eine andere Sprache spricht.