Lektoren sind keine Kritiker

[Fotocredit: Ron Lach, Pexels]

Du hast dein Manuskript endlich fertig. Wochen, vielleicht Monate hast du daran geschrieben. Jetzt liegt das Lektorat vor dir – und statt Schulterklopfen bekommst du einen Haufen Kommentare, Änderungsvorschläge und Anmerkungen. Manche klingen fast bissig. Und du fragst dich: „Ist mein Text wirklich so schlecht? Hat mein Lektor mich überhaupt verstanden? Oder war das jetzt eine verkappte Kritik an mir als Autor:in?“

Stopp. Atme durch. Hier liegt ein häufiges Missverständnis vor: Dein Lektor ist weder dein Fan, dein Freund noch dein Kritiker – und soll das auch nicht sein. Ein Lektor bewertet dich nicht. Er zerreißt dein Buch nicht. Er nimmt deinen Text auseinander – nicht dich – damit er klarer, stimmiger und wirkungsvoller wird. Er stellt Fragen, streicht Überflüssiges, kommentiert Unklares. Nicht, weil dein Buch schlecht ist – sondern weil es besser werden kann. Dafür bezahlst du ihn.
Wichtig: Dein Text ist nicht du. Er ist Ausdruck deiner Kreativität – aber er muss auch ohne dich funktionieren. Das Lektorat sorgt dafür, dass dein Text für Leser:innen verständlich und überzeugend ist.

Ein Lektor denkt nicht an dich – er denkt an deine Leser:innen. Wenn etwas unklar ist, sagt er es, damit deine Geschichte wirkt. Und genau das willst du doch, oder?
Ein gutes Lektorat ist konkret. Statt „Gefällt mir nicht“ heisst es: „Hier fällt die Spannung ab – vielleicht, weil der Konflikt schon gelöst wurde?“
Ein gutes Lektorat respektiert deinen Stil. Es geht nicht darum, dass dein Text klingt wie der des Lektors – sondern dass er deinen Stil klar transportiert.
Ein gutes Lektorat stellt Fragen statt Anweisungen: „Was wäre, wenn die Figur hier anders reagiert?“ ist hilfreicher als „Das muss raus.“

Und dein Umgang damit?
Sieh das Feedback als Chance, nicht als Urteil.
Analysiere, was sich wiederholt – dort steckt dein Lernpotenzial.
Sei stolz auf den Prozess.

Ein gutes Buch entsteht nicht trotz Lektorat – sondern gerade deswegen.

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Realität toppt Fiktion II