Kurzgeschichten perfektionieren & lektorieren – ChatGPT-Prompts für Autoren V

[Fotocredit: ChatGPT]

Wenn ich eine Geschichte geschrieben habe, fällt es mir immer schwer, sie zu lektorieren. Einmal fehlt mir die Distanz. Und dann fühlt es sich auch noch so an, als stochere ich lediglich herum.

Seit einiger Zeit benutze ich immer wieder bestimmte Prompts, wenn es darum geht, Kurzgeschichten, die ich schreibe, zu korrigieren, lektorieren, Fehler zu finden, sie allgemein zu perfektionieren. Doch an irgend etwas hatte ich immer wieder mal nicht gedacht. Dann sagt die gestrenge Lektorin: “Bisschen viel ‘Show don’t tell’”, statt auch nur ein Wort des Lobes an mich zu verschwenden. Deshalb habe ich einen Workflow von der frisch vollendeten Geschichte bis zum letzten Feinschliff erstellt.
Wenn ihr in dieser (wie ich finde sinnstiftenden) Reihenfolge Punkt für Punkt vorgeht, solltet ihr es meiner Meinung nach problemlos bis zur (nahezu) perfekten Kurzgeschichte schaffen.

Startpunkt: Weitestgehend fertige Geschichte, die so weit gediehen ist, wie ihr es ohne fremde Hilfe schafft – sie ist noch nicht lektoriert/korrigiert

Schritt-für-Schritt-Workflow, Stand: 22.11.2025 (wird beständig angepasst)

1. Erzählkern sichern – Dramaturgie & Vollständigkeit

Ziel: Herausfinden, ob die Geschichte fertig erzählt ist, ob Beats fehlen, ob der emotionale Bogen funktioniert.

Prompt für diesen Durchgang:
„Bitte analysiere meine Kurzgeschichte ausschließlich auf folgende Punkte:
– Ist die Geschichte vollständig erzählt, oder fehlen erzählerische Elemente?
– Funktioniert der dramaturgische Bogen (Beginn, Konflikt, Wendung, Klimax, Auflösung)?
– Wo sind Konsistenzbrüche, Logiklücken oder Unterfütterungsbedarf?
Nenne mir zu jedem Punkt konkrete Stellen UND jeweils drei Möglichkeiten, wie diese Stellen verbessert oder ergänzt werden können. Keine sprachlichen Detailkritiken, nur Struktur & Erzählsubstanz.“

Das ist dein Fundamentdurchgang. Danach weißt du, was du ergänzen, umstellen oder kürzen musst.

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2. Erzählerische Schärfung – Figuren, Perspektive, Tempo, Atmosphäre

Ziel: Feinschliff auf der Ebene der Erzählweise, nicht der Grammatik.

Prompt für diesen Durchgang:
„Bitte lies den Text mit Blick auf Erzähltechnik: Figurenzeichnung, Perspektivkonsistenz, emotionale Wirkung, Tempo, atmosphärische Dichte und Dialogwirkung. Identifiziere alle Stellen, die unnötig erklären statt zeigen (Show, don’t Tell), oder die erzählerisch flach bleiben. Für jede Fundstelle: kurze Begründung + drei alternative Formulierungen in unterschiedlichen Stilen (prägnant, poetischer, atmosphärischer). Keine Korrekturen auf Satzbau- oder Wortebene – nur erzählerische Wirkung.“

Dieser Schritt verhindert, dass du später beim Sprachfeinschliff ständig strukturelle Stellen neu anfassen musst.

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3. Sprachlicher Feinschliff – Rhythmus, Präzision, Stilreinheit

Ziel: Letzte 10 %. Hier geht’s um handwerkliche Sauberkeit.

Prompt für diesen Durchgang:
„Bitte lies die Geschichte mit Fokus auf sprachliche Präzision, Rhythmus, Redundanzen, Wortwahl, unnötige Adjektive/Adverbien, holprige Satzrhythmen und Wiederholungen. Gib mir ausschließlich konkrete Fundstellen und jeweils drei Alternativvorschläge mit unterschiedlichen stilistischen Schwerpunkten (neutral, literarischer, atmosphärischer). Keine strukturelle Kritik mehr – nur sprachlicher Feinschliff.“

Dieser Schritt ist kurz, aber er poliert das Ding wirklich auf Lektoratsebene.

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4. Allerletzten Feinschliff durchführen:

Textverarbeitung:
Jetzt letzte Korrekturen von Textverarbeitung durchführen (ideal: Papyrus Autor, Blogbeitrag) wie (Doubletten, Kommata, Schreibfehler, Satzlänge, Grammatik, Lesbarkeit usw.)


Vorletzte Korrektur:
Text ausdrucken und sich selbst laut vorlesen, Fehler markieren, Sätze umstellen, letzte kleinere Details einbringen.
Ich habe auch gute Erfahrungen damit gemacht, die Geschichte mal zwei Wochen nicht anzurühren, und dann eine neue Druckversion noch einmal zu lesen, es ist erstaunlich, dass ich immer noch etwas finde. Außerdem steht das Gehirn ja nicht still in dieser Zeit, vielleicht ist euch noch das eine oder andere eingefallen.
Korrekturen durchführen.


Allerletzte Korrektur:
Text in Grammarly (Blogbeitrag) einfügen und staunen, dass trotz des ganzen Gedöns noch 10 kleiner Fehler aufzufinden sind.

Eure Geschichte sollte nun glänzen!

(Disclaimer: Der ganze Stress ersetzt nicht das professionelle Lektorat, macht es aber deutlich weniger “blutig”.)


Was meinst du dazu?
Hinterlass mir doch gerne einen Kommentar und teile deine Gedanken!

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