Inspirationsfunke 2
Manchmal beginnt eine Geschichte nicht am Schreibtisch, sondern im Schlaf. Zwischen wirren Bildern, seltsamen Dialogen und Momenten, die sich im Traum vollkommen logisch anfühlen, blitzen plötzlich Ideen auf, die sich nach dem Aufwachen nicht mehr abschütteln lassen. Nicht jeder Traum taugt als Vorlage für eine Erzählung – die meisten zerfallen bei Tageslicht in Unsinn. Aber hin und wieder bleibt ein seltener Inspirationsfunken: ein Bild, eine Stimmung, eine Vision. Und manche dieser nächtlichen Einfälle haben bei mir den Weg in konkrete Geschichten gefunden:
Einmal war ich im Traum in einer Kopie meiner Heimatstadt unterwegs, sie war aber nur fragmentarisch erstellt worden. So stand in jedem Raum jedes Hauses nur ein Möbelstück stellvertretend für den Raum, also z.B. in Küchen ein Kühlschrank. Im Haus meiner Tante, welches ich nach ihrem Umzug und Verkauf der Immobilie nicht mehr betreten habe, bewunderte ich das Bleiglas im Treppenhaus, mir vertraut seit frühester Kindheit. Es war eine wilde Mischung aus Wehmut und einem Gefühl des Unwirklichen. Im ansonsten leeren, antiken Bauknecht-Kühlschrank der Küche fanden sich im oberen Fach drei mit Alufolie abgedeckte Teller. Sie enthielten klaren Rotz, was ich im Traum ironisch eine „Willkommensmahlzeit“ nannte.
Ich finde nur in Teilen “deployte” (installierte/erstellte) Städte ein spannendes SF-Thema, welches ich mit Sicherheit einmal aufgreifen werde.
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Eines Nachts wurde ich schlagenden Herzens wach und hatte noch ein Traumbild vor Augen von Personen, die mittels einer technischen Einrichtung starr wie Skulpturen in einem Museum ausgestellt wurden. Daraus wurde das “Museum des Verbrechens”, in dem Täter so lange in Stasis gehalten werden, bis die Museumsbesucher das Interesse an ihnen bzw. ihrer Tat verlieren – was sehr lange sein kann – je nachdem, was sie angestellt haben. Die Strafe verhält sich also proportional zum Verbrechen – das ist ja fast schon salomonisch 2.0.