Inspirationsfunke 3
Nicht jede Geschichte entsteht bewusst am Schreibtisch. Manche kündigen sich durch ins Unreine gedachte Gedanken an oder mitten in der Nacht – verborgen in merkwürdigen Traumlandschaften oder Szenen, die im Schlaf vollkommen plausibel wirken. Nach dem Aufwachen zerfallen die meisten dieser Einfälle schnell zu wirrem Unsinn. Doch gelegentlich bleibt etwas zurück: ein starkes Bild, eine besondere Atmosphäre oder eine Idee, die sich hartnäckig festsetzt. Einige dieser Geistesblitze haben bei mir tatsächlich ihren Weg in fertige Geschichten gefunden oder harren ihrer Umsetzung auf der Türschwelle aus.
Einmal stand ich versonnen in meiner nicht allzu ordentlichen Küche und mein Gehirn dachte ins Unreine: “Du könntest die Küche auch mal wieder defragmentieren”. Der Gedanke hatte etwas. Daraus wurde eine SF-Kurzgeschichte über einen Kerl namens StingRay, der digitalisiert im NET lebt und eines Tages seine Wohnung defragmentiert, während sich noch ein lästiger Werbe-Daemon darin befindet.
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Nachdem unser Haus abgebrannt war, hatte ich einige merkwürdige Träume. Eine Nacht träumte ich, dass wir aus der abgebrannten Wohnung nur eines hatten retten können: den Mond. Er war jetzt würfelförmig, glomm leicht und er war etwas unvollständig, sodass Schlitze fehlten wie beim unfertigen Todesstern. Im Traum wohnten wir in einem Mies-van-der-Rohe-Bungalow mit Schilf-Garten — prachtvoll! Allerdings nahm der Miniatur-Trabant mitten im Wohnzimmer viel Platz weg. In der Nacht glomm er blass vor sich hin. Später ist der Wohnzimmer-Mond dann ausgebüxt und machte seinen Job — er illuminierte die Schilf-Landschaft.
Vielleicht wird das eines Tages mal in eine Geschichte Einzug halten, wer weiß?