NaNoWriMo: Quantität vs. Qualität
[Fotocredit: ChatGPT]
Der Reiz von NaNoWriMo
NaNoWriMo, der National Novel Writing Month, zieht jedes Jahr im November Tausende von Schreibbegeisterten an. Das Ziel: Innerhalb eines Monats einen Roman mit 50.000 Wörtern zu schreiben. Gerade für Studierende im ersten Semester mag das aufregend klingen – ein klar definiertes Ziel, eine aktive Community, die Motivation durch die Herausforderung. Aber ist es wirklich sinnvoll, sich einem derart strengen Schreibplan zu unterwerfen?
Der Druck, der Qualität kostet
Wenn man ehrlich ist, bleibt beim NaNoWriMo kaum Zeit für Reflexion, Überarbeitung oder gar das Finden einer eigenen, authentischen Stimme. Das Schreiben wird zur Massenproduktion: Man versucht, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Worte zu Papier zu bringen. Doch die Qualität bleibt dabei oft auf der Strecke. Die Idee, dass man sich einfach “hinsetzen und schreiben” muss, um etwas Wertvolles zu schaffen, wirkt verlockend. Doch wie viel literarischer Wert kann wirklich entstehen, wenn man sich täglich zwingt, 1.667 Wörter zu schreiben, egal wie inspiriert man sich gerade fühlt?
Ein kreativer Prozess braucht Zeit, um zu reifen. Ideen müssen entstehen (beim Spülen, beim Duschen, auf dem Weg zur Arbeit), sie müssen wachsen, überdacht und reflektiert werden. Gerade als angehender Autor – und viele von euch sind genau das – solltet nicht den Fehler machen, Quantität über Qualität zu stellen. Denn was bringt es, am Ende 50.000 Wörter auf dem Papier zu haben, wenn davon die meisten schlichtweg unreif oder uninspiriert sind?
Vor meinem geistigen Auge sehe ich Protagonist Jack Torrance aus Stephen Kings “Shining” (1980), der manisch Buchstaben in seine Schreibmaschine prügelt – und am Ende ist es nur ein endloser Strom des immer gleichen Wortes “REDRUM”.
Schreiben als organischer Prozess
Statt eines solchen Marathons empfehle ich, das Schreiben als etwas Organisches zu betrachten. Setzt euch mit euren Gedanken auseinander, lasst Ideen sprießen und gedeihen. Ein Roman (oder eine Kurzgeschichte) entsteht nicht allein durch Disziplin, sondern durch Inspiration, durch das Entdecken neuer Perspektiven und durch die Zeit, die man den eigenen Ideen gibt, sich zu entfalten. Für mich ist Schreiben immer wie das Entstehen eines Korallenriffs: Hier ein bisschen, dort ein wenig (6x wiederholen), dann eine neue Idee eingebracht und am Ende gefeilt, eine Szene eingeschoben, viel nachgedacht, das Ganze so lange, bis sich alles richtig anfühlt – und irgendwann ist es fertig. Zwang & Druck bringen da wenig – vielmehr geht es darum, den richtigen Moment zu erwischen, in dem die Worte und Ideen von allein und vor allem freiwillig fließen. Unter der Dusche, beim Abwasch oder bei langen Autofahrten (am besten in der Nacht & ohne Podcast & Musik).
Fazit: Mehr Zeit, bessere Ergebnisse
NaNoWriMo kann eine interessante Erfahrung sein, keine Frage. Aber gerade als Einsteiger: Lasst euch nicht von der Illusion fesseln, dass gute Literatur unter Druck entstehen muss. Literatur ist kein Diamant. Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht. Das Ergebnis wird es euch danken.
Und mal ehrlich: Möchtet ihr eines Tages vor einem Telefonbuch halbgarer Ideen und brutal schlechter Dialoge sitzen und es wochenlang korrigieren, lektorieren, umstellen und zusammenstreichen, bis letztendlich bestenfalls ein fragwürdiger Groschenroman à la Wolfgang Hohlbein dabei herauskommt?
Daran reizt mich mal gar nichts.
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